Die Normannen um 1066

Ein Mann, ein Mythos – Wilhelm der Eroberer

Obwohl er ein Bastard aus Falaise war, von den Seinen verstoßen, von Bauern aufgezogen und des Lesens und Schreibens kaum kundig, gelang es ihm, sich durch die Spitze seines Schwertes als Herzog der Normandie zu behaupten.

Szene aus dem Teppich von Bayeux: Herzog Wilhelm hebt im Getümmel der Schlacht von Hastings den Helm, um seinen Männern zu zeigen, dass er noch lebt.
Herzog Wilhelm lüftet bei Hastings den Helm – „Hic est Willelm Dux“ –, um dem Gerücht seines Todes zu trotzen.Teppich von Bayeux, um 1070 · gemeinfrei · Wikimedia Commons

Im Januar 1066 übernimmt Harold Godwinson den englischen Thron als Nachfolger König Eduards „dem Bekenner". Daraufhin knüpft Wilhelm diplomatische Beziehungen zum Papst in Rom, Alexander II. Dieser erklärt den Kreuzzug gegen den Thronräuber und vertraut Wilhelm das Petrusbanner „Vexillium Sancti Pietri" sowie die Reliquien des Apostels an.

Feierlich ernennt Wilhelm seine Frau, Herzogin Mathilde von Flandern, für die komplette Dauer des Feldzuges zur Regentin über die Normandie. Auch diskrete Unterstützung erhält er durch den deutschen Kaiser Heinrich IV. und seinen Schwager, den Grafen von Flandern Balduin VI.

Die militärische Streitmacht

  • mehr als 15.000 Soldaten
  • 3.000 Pferde
  • 1.000 Bogenschützen
  • mehr als 560 Schiffe und 220 Drachenschiffe
Schildwall der Gruppe Claymore: dicht gestaffelte bemalte Normannenschilde und Speere.
So machen wir es lebendig: ein Schildwall unserer Gruppe aus bemalten Normannenschilden – wie ihn das Heer König Harolds bei Hastings bildete.Eigene Aufnahme · Claymore e. V.
Teppich von Bayeux: Männer deuten auf einen Kometen am Himmel, während König Harold die Nachricht überbracht wird.
„Isti mirant stella“ – man deutet auf den Kometen (den Halleyschen). Das Himmelszeichen von 1066 galt als düstere Vorbedeutung für König Harold.Teppich von Bayeux, um 1070 · gemeinfrei · Wikimedia Commons

Überfahrt & Schlacht

Die ganze Flotte wird in der Mündung der Dives zusammengezogen und wartet geduldig auf günstige Winde. Am 10. September sticht „ein Wald von Schiffen" in See. Doch ein Sturm zwingt sie zunächst nach Saint-Valery-sur-Somme. Nach dreiwöchigem Zwangsaufenthalt an der Küste der Picardie erheben sich die Winde erneut, und sie landen am 29. September bei Pevensey an der Südostküste Englands. Kaum erholt von seinem Sieg über die Norweger bei Stamford Bridge zieht Harold in einem Gewaltmarsch heran. Wilhelm gibt als Erster das Signal zum Angriff. Durch eine sorgfältig ausgearbeitete Strategie gelingt es ihm, Harold zu besiegen – der König stirbt durch einen Pfeil ins Auge.

Berittener Krieger der Gruppe Claymore mit Kettenhemd und tropfenförmigem Normannenschild auf einem Schimmel.
Ein berittener Normanne unserer Darstellung – die Reiterei entschied die Schlacht von Hastings.Eigene Aufnahme · Claymore e. V.
Teppich von Bayeux: Normannische Schiffe landen, die Pferde werden von Bord geführt.
„Hic exeunt caballi de navibus“ – die Pferde verlassen die Schiffe. Wilhelms Flotte landet an Englands Südküste.Teppich von Bayeux, um 1070 · gemeinfrei · Wikimedia Commons
Teppich von Bayeux: König Harold fällt in der Schlacht von Hastings – Inschrift „Harold rex interfectus est“.
„Harold rex interfectus est“ – König Harold fällt. Mit seinem Tod ist die Schlacht entschieden.Teppich von Bayeux, um 1070 · gemeinfrei · Wikimedia Commons

Sieg!

Am Weihnachtstag 1066 lässt sich Wilhelm, der fortan „der Eroberer" genannt wird, in der Abtei von Westminster zum König von England krönen. Seine Herrschaft wird mehr als 20 Jahre dauern.

Wir auf den Spuren von 1066 – Reisebericht England 2012

Quelle: „Wilhelm der Eroberer" von Annie Fettu